Milchmädchenrechnung
Ich muss es offen aussprechen: Wie jeder Banker, Unternehmer, Politiker und überhaupt fast jeder, der mindestens ein Bankkonto besitzt und eine Versicherung abgeschlossen hat, hänge ich an Zahlen. Zahlen sind in einer immer komplexer werdenden Welt oft das Einzige, was Orientierung verspricht. Sie stellen etwas Stabiles dar, etwas, was Sicherheit vermittelt. Man spürt es schon im Umgang mit ihnen, etwa bei den Grundrechenarten. Hier gibt es immer nur eine richtige Lösung, ganz im Gegensatz zu den meisten Entscheidungen, die man tagtäglich treffen muss. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum ich eine Schwäche für Zahlen habe. Viel wichtiger ist, dass man mit ihnen spielen kann, dass sie unsere Fantasie anregen. Umfragen, Bilanzen, Statistiken sind doch nichts anderes als mehr oder weniger großartige paradoxe Spielereien. Es sind Zahlen aus der Vergangenheit, mit denen man spielt, um Voraussagen über künftige Ereignisse zu treffen, die so – wie vorausgesagt – aber nie eintreten können, weil die Voraussagen natürlich Verhaltensänderungen anschieben. Unsere Fantasien können sich an einigen wenigen Zahlen entzünden, die Rückschlüsse auf das Ganze zulassen. Nehmen wir beispielsweise die Zahl 684. So viele Geldspielautomaten in Spielhallen kommen nämlich auf 100000 Rheinland-Pfälzer, auf einen Automaten also zirka 147. Rheinland Pfalz nimmt damit einen einsamen Spitzenplatz ein. Zwei Vergleichszahlen: In Hessen kommen 535 auf einen Automaten, in Berlin gar 963. Das sind Zahlen, mit denen man wunderbar jonglieren kann, etwa indem man das Wesen des Rheinland-Pfälzers zu ergründen sucht. – Man bedenke, dass nur wenige Tintenspritzer, das Badewasser einfärben können. – Zum Beispiel: Jeder weiß, dass am Spielautomat nicht wirklich etwas zu gewinnen ist, was dem Leben eine neue Richtung verleiht, wie beim Lottospiel oder auch im Kasino. Dem Rheinland Pfälzer genügt demnach das kleine Glück. Er baut keine traumhaften Luftschlösser. Er flieht aber dennoch vor der Realität. Denn vor dem Geldspielautomaten zählen weder Bildung, noch der Name, noch die Position. Vor dem Zufall sind alle gleich. In der Spielhalle gibt es auch keinen entscheidenden großen Kampf, der alles zum Guten wenden kann. Es gibt kein Ende. Hier fängt jeder immer wieder von vorne an. Auf den Rheinland-Pfälzer gewendet, kann man sagen: Der Weg ist sein Ziel. So kann man beliebig weiterspinnen. Man kann sagen, dass den Rheinland- Pfälzer dabei nichts aus der Ruhe bringt – wie den Spieler, der in absoluter Anspannung und Aufmerksamkeit im Spiel aufgeht und so weiter… und so weiter… Übrigens für die, die es nicht bemerkt haben, die Zahl 684 ist natürlich erfunden. Es kommen nur halb so viele Spielautomaten auf 100.000 Rheinland-Pfälzer. Immerhin noch genug, um den Spitzenplatz zu behaupten. Das ist denn auch der dritte Grund, warum ich mich für Zahlen begeistere: Man kann mit ihnen wunderbar lügen.
Was ist mit den Politikern los?
Wissen Sie eigentlich, was Spitzenpolitiker wirklich denken, und was sie sagen, wenn kein Journalist, keine Kamera und kein Mikrophon in der Nähe ist? Oder wenn sie sich unerkannt glauben? – Nein? Offen gestanden, ich auch nicht. Meine Erfahrung mit dem geheimen Gedankenhaushalt eines Politikers beschränkt sich lediglich auf ein paar wenige Lokal- und eins, zwei unbedeutende Landespolitiker. Aber auch das kann manchmal sehr aufschlussreich sein: Nehmen wir zum Beispiel diesen jungen Landtagsabgeordneten – sein Name soll hier ungenannt bleiben –, der letzten Samstag beim Mainzer Marktfrühstück vor mir in der Schlange am Kaffeewagen stand.
Er wirkte kompetent, zumindest verstand er es, sein Jackett in den wenigen Minuten, die er vor mir stand, mehrmals dezent auf- und zuzuknöpfen. Ich begann mich gerade lebhaft mit einer Freundin über den möglichen Kauf eines Bauernhauses im Rheinhessischen zu unterhalten, als er sich lächelnd umdrehte und rundheraus erklärte, dass auch er und seine Frau sich vor einiger Zeit überlegt hätten, ob sie sich ein Haus auf dem Lande kaufen sollten. Sie hätten sich aber dagegen entschieden. In der langatmigen, wortreichen Sprache eines Politikers zitierte er daraufhin eine Studie, wonach sich die medizinische Versorgung auf dem Lande in den nächsten zwanzig bis dreißig Jahren enorm verschlechtern würde. Ich wollte schon entgegnen, dass dies doch nicht unbedingt der Fall sein müsse, dass die Politik dem ja entgegensteuern könne.
Doch dann kam schon der Gedankensprung: »Das hat natürlich auch Konsequenzen auf die Immobilienpreise«, sagte er und nahm seinen Latte macchiato in Empfang. „Stellen Sie sich vor, Sie kaufen sich jetzt ein Haus für fünfhunderttausend, und in fünfzehn Jahren, wenn sie es abbezahlt haben, ist es nur noch die Hälfte wert. – Das wollten wir nicht!“ Nun ist Politiker-Bashing eigentlich so gar nicht meine Sache. Doch ich frage mich noch heute, ob ein Politiker, auch ein Landespolitiker, überhaupt so argumentieren darf? Macht er sich damit denn nicht selbst überflüssig? Wo bleibt der Gestaltungswille, der den Politiker, wie ich bisher dachte, gerade ausmacht, wenn alles dem Markt, dem Schicksal oder wem auch immer überlassen bleibt? Der menschlichen Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt.
Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie viele Produkte der Mensch aus Milch herzustellen versteht, oder was er mit 26 oder 30 Buchstaben auszudrücken in der Lage ist… Fühlt sich der einzelne Abgeordnete aufgrund der vielfältigen Zwänge von Fraktionen und Parteiapparaten, wie eine andere Studie besagt, vielleicht einfach machtlos, um für die Interessen seiner Wähler einzustehen? Dann muss man sich als Wahlbürger aber leider fragen, wozu man ihm denn seine Stimme gegeben hat.
Theater ums Theater
Eine Stadt lebt von Bewegung. Man könnte auch sagen, Bewegung ist ihr Leben. Das ist bei Menschen, die einen wesentlichen Teil dessen ausmachen, was wir Stadt nennen, auch nicht anders. In einer Erzählung von Joseph Conrad wird der an Tuberkulose erkrankte Titelheld James Wait auf einer Schiffsfahrt von Bombay nach London gefragt, warum er die Reise trotz seiner Krankheit angetreten habe. Woraufhin er antwortet: »Ich muss leben, bis ich sterbe - oder nicht?« Eine triviale und dennoch außergewöhnliche Antwort, die seine Reise mit seinem Leben gleichsetzt, eine Offenlegung der Motive aber schuldig bleibt. Die Gründe, warum wir uns in Bewegung setzen und nicht in Trägheit verharren, sind sehr vielfältig und abhängig von unseren jeweiligen Bedürfnissen, allen voran den Grundbedürfnissen. Eine wichtige Rolle spielt das Geld. Wobei zu viel davon, was der Neoliberalismus mit Bedacht verschweigt, wiederum träge macht. Linda Evangelista, eines der bestbezahlten Fotomodelle der 1990er Jahre, sagte einmal: „Für unter 10000 Dollar am Tag stehen wir gar nicht erst auf.“ Die betuchten Trägen bewegen sich nur, wenn es nicht mehr zu vermeiden ist, und wenn es an ihre Pfründe geht, auf die sie ein natürliches Anrecht zu haben glauben. Das gilt auch bei jeder Art von staatlicher Alimentierung, was man im Zuge von Sparmaßnahmen immer wieder beobachten kann. Nehmen wir die Spar-Diskussion um das Mainzer Staatstheater: Jetzt endlich verlassen auch die trägen Theaterleute ihre ummauerte Festung, um Verbündete im Kampf gegen den Rotstift zu suchen und ganz nebenbei, weil es gerade nützlich ist, auf hohem Ross den Untergang der Kultur zu beklagen. Wie lange haben wir darauf gewartet, auch wenn sie mit einer Aff enliebe an überkommenen feudalen Strukturen festzuhalten versuchen! Dachten wir doch schon, das hohe Haus scheue den Umgang mit uns Mainzer Bürgern. Wir seien ihnen nicht gut genug. Wie viele Mainzer Schauspieler, Regisseure und Autoren müssen ihr Brot in fremden Landen verdienen, anstatt in ihrer Heimat zu brillieren! Wie viele Mainzer haben schon damit begonnen, das Theater als Fremdkörper im kulturellen Leben der Stadt zu betrachten und sich seine Öff - nung zu wünschen! Denkbar wären Kooperationen mit den unzähligen und unterschiedlichsten Kulturprojekten, die ein Kellerdasein fristen, – und zwar nicht, weil es ihnen an Qualität, sondern an fi nanziellen Mitteln mangelt. Oder eine Nacht des Theaters mit Spielstätten überall in der Stadt… Aber damit sich in Mainz noch mehr bewegt, wäre es langsam an der Zeit, sich auch die Palliativrhetoriker in Politik und Wirtschaft vorzunehmen und gegen die selbst verordneten Diäten, die fetten Unternehmergewinne, die saft igen Abfi ndungen von ausscheidenden Vorstandsmitgliedern und die Ämterhäufung anzugehen.
„Ich bin dann mal still“
Was wäre, wenn Sie und alle anderen Leser die Lektüre dieser Kolumne nach dem
ersten Satz beenden würden? Dann hätte ich natürlich ein Problem. Denn dann hätte ich die Kolumne umsonst geschrieben. Das zeigt wie wichtig Aufmerksamkeit ist.
Die Aufmerksamkeit des anderen zu gewinnen, gehört wohl wie Essen und Trinken zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Wir halten es einfach nicht aus, keine Rolle im Seelenleben der anderen zu spielen. Ja, wir nehmen sogar bleibenden Schaden, wenn wir kein Mindestmaß an Zuwendung beziehen. Aufmerksamkeit ist heute allerdings –
angesichts der Informationsfülle und Reizüberflutung – eine äußerst knappe Ressource, um die ein regelrechter Kampf entstanden ist. Alles will und muss auffallen: das Produkt, der Politiker, die Nachricht, der Film, die Show, die Stadt … ja, auch wir selbst. Früher konnte man das noch durch ein außergewöhnliches Outfit erwirken, heute aber, wo alles Ausgefallene sofort zur Mode wird, funktioniert das nicht mehr. An dessen Stelle ist das Dampfgeplauder also das inhaltslose, oftmals widersinnige Geschwätz getreten, das mit vokalreichen, meist englischen Begriffen wie „Performance“, „Rebranding“, „Meeting“ - um nur die gängigsten zu erwähnen - angereichert wird. Das ist zwar alles nicht neu, denn unsere Sprache ist gespickt mit substanzlosen Lehnwörtern und inhaltsleeren Wortneuschöpfungen, die das Mittelmaß und die mangelnde Kompetenz des Redners kaschieren sollen. Doch neu muss es sich anhören, und wichtig, so als ob man die Welt gerade selbst erschaffen hätte. Worte sind heute des Kaisers neue Kleider. Sätze wie „Sorry, ich hab gleich ein Date“ werden mit einer solchen Vehemenz und papageienhaften Penetranz vorgetragen, dass wir gar nicht umhinkommen, den Redner für eine unabkömmliche und beliebte Persönlichkeit zu halten. Wir lassen solches Geplapper unhinterfragt über uns ergehen, sind beeindruckt und werden dabei selbst angesteckt. So hörte ich mich neulich wie ferngesteuert plappern: „Das finde ich irgendwie klasse, aber auch ziemlich strange.“ Hauptsache irgendetwas gebabbelt, möchte man da sagen. Denn der Satz bedeutet eigentlich nichts und ist nichts als heiße Luft. Es war lediglich der Versuch, eine als unangenehm empfundene Redepause abzuwenden und mich in den Vordergrund zu drängen.
Kurzum: Wir hören nicht mehr zu. Wir denken nicht mehr nach. Und trachten nur noch danach uns selbst zu „verkaufen“. Vielleicht auch, weil wir es müssen. Man könnte ja die Fastenzeit zum Anlass nehmen, um sich hin und wieder mal in Schweigen zu üben. Das andere ergibt sich daraus sicherlich. –
„Ich bin dann mal still!“
Lanzenreiter und Schwertträger
Die persönlich Wahrnehmung ist trügerisch. Leider wird sie allzu häufig für wahr gehalten und dazu benutzt, die Welt zu beurteilen. Was wiederum der persönlichen Bestätigung dient. Man kennt das von Wahl-abenden, wo politische Niederlagen zu beachtlichen Erfolgen umgedeutet werden. Beinahe umgekehrt ist es in der Wirtschaft: Hier werden Erfolge oftmals kleingeredet oder gar als Niederlagen umgemünzt, um mögliche Gewinne bloß nicht mit anderen teilen zu müssen.
Aber davon soll hier nicht die Rede sein. Sprechen wir aus gegebenem Anlass über die Wahrnehmung des Herbstwetters. Das wird nämlich meist als besonders regnerisch wahrgenommen, obwohl es im Vergleich mit dem Sommerwetter als regenarm einzustufen ist. Warum ist das so? Sicher liegt das in der Natur des Herbstes selbst, den abnehmenden Tagen und den sinkenden Temperaturen. Im Herbst ist der Regen einfach unangenehmer und kälter als im Sommer. Außerdem verdunkelt er die Tage noch zusätzlich. Ein Regen um fünf und der Tag vorbei. Das schlägt aufs Gemüt.
Ein anderer aber nicht minderwertigerer Grund ist das plötzlich gehäufte Auftauchen von Regenschirmen. Das klingt jetzt komisch, aber wie bei so vielem, was komisch klingt, verbergen sich dahinter oft bittere Tragödien, die bleibende Eindrücke hinterlassen. Wie alle Dinge, die dem technischen Menschengeist entstammen, hat auch der Regenschirm zwei Seiten. Sein Vorteil liegt auf der Hand. Und sein Nachteil? Die meisten Regenschirmträger sind sich nicht bewusst, dass sich mit dem Regenschirm auch ihr Aktionsradius erheblich erweitert. Ihr Körpergefühl kommt dem nicht nach. So wird das transportable Regendach alsbald zur gefährlichen Waffe. Wer hat denn noch keine Regenschirmspeichen im Gesicht gehabt? Solange es regnet, beschränkt sich die Gefahr auf mögliche Kratz- oder Risswunden im Kopf- und Brustbereich. Gemeingefährlich aber wird es erst in einer Regenpause. Dann werden die Schirmträger nicht selten zu Lanzenreitern und Schwertträgern. Es zerreißt einem manchmal das Herz, wenn man sieht, wie viele Hieb- und Stichverletzungen sie mit ihren Regenschirmen verursachen. Besonders gefährlich wird es beim teleskopierbaren Taschenschirm und seiner Duomatik, mit der man per Knopfdruck schwalbenschnell den Schirm öffnet und auch wieder schließt. Das kann beim Nebenmann ins Auge gehen.
Angesichts dieser Gefährdungen ist man leicht geneigt, einen Regenführerschein zu fordern. Der hätte darüber hinaus noch den Vorteil, dass der Herbst nicht mehr mit Regen, sondern mit seinen goldenen Tagen und der Farbenvielfalt gleichgesetzt wird. Übrigens sollte das mit dem Führerschein auch für Rucksäcke gelten, aber das ist ein anderes Thema.
An den Haaren herbeigezogen
Es ist wirklich kein Geheimnis mehr, dass Kreativität für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit unerlässlich ist. Doch was ist Kreativität anderes als eine Worthülse, in die jeder das hineinpackt, was ihm genehm ist? Die Psychologie tut sich mit der Erforschung der Kreativität jedenfalls schwer, zumal sie nicht leicht messbar ist. Wie aber will man sie dann fördern? Und wie ist es um die Kreativität in einer Stadt wie Mainz bestellt? Darauf geben Städterankings keine Antwort.
Man könnte alle Ausstellungen, Konzerte, kurz alle kulturellen Veranstaltungen und die in Mainz agierenden Künstler zusammenfassen auf die Einwohnerzahl umrechnen und das Ergebnis mit anderen Städten vergleichen. Dann hätte man zwar ein mathematisches Abbild des kulturellen Lebens, nicht aber der städtischen Kreativität.
Wie aber wäre es, die Kreativität dort zu packen, wo sie heutzutage die meisten Menschen am Werk zu sehen glauben, dort, wo Originalität mehr gefragt ist als anderswo: bei der Namensgebung? Schon Kindernamen sind zu einem Element elterlicher Selbstverwirklichung geworden, die nur noch an den Türen der deutschen Standesämter gestoppt werden kann, um zu vermeiden, dass Kinder Muffin, Riesling oder Ikea genannt werden.
Eine Möglichkeit bieten die Namen von Gewerbeneugründungen. In Mainz überwiegen, bis auf einige Ausnahmen wie »Was Ihr WOLLt« für ein Wollegeschäft oder »ergo sum« für ein Computerladen, Kombinationen aus Branchen- und Familienname wie »Knußmann-Öl« oder »Schweikert Bürosysteme«. Alles nicht besonders kreativ.
Größten Ehrgeiz bei der Namensgebung entfalten die Friseure. Und so lässt sich in Mainz sogleich ein Friseursalon namens »Creative« finden. Nomen est Omen, möchte man da sagen. Auch einen mit Namen »Modern Art«. Ein klarer Bezug! Manche geben sich bodenständig wie der »Friseursalon Wuschelkopf«, andere verweisen auf gesellschaftliche Trends wie »Ankes Haarmobil«. Viele aber lechzen nach Internationalität. So spiegeln Namen wie »Arens intercoiffeur« oder »La Paillote« den französischen Chic der Haute Coiffure wider. Dominierend sind anglofone Namen wie »Hair Control«, »In Cut« oder »Elegance Style«. Raum für Wortspielereien bieten Komposita wie »Haarscharf«, »Haarspalterei«, »Haarkiller«, aber auch »Fön-X« und »Haarmonie«.
Alles in allem sind die Mainzer Friseure hier recht kreativ. Im Vergleich mit anderen Städten belegen sie aber eher das Mittelfeld. Bei Namen wie »Hin & Hair«, »Scher-Holder« oder »Kaiserschnitt - Wir holen das Beste aus Ihnen heraus« können sie einfach noch nicht mithalten. Gilt das auch für die Kreativität in Mainz? Falls ja, dann müssen sich die Damen und Herren Stylisten noch etwas anstrengen, damit Mainz auch hier bald an der Spitze steht.
Stolperschwelle
Machen Sie sich einmal den Spaß und starten Sie in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis eine kleine Umfrage, indem Sie die so abwegige wie ungewöhnliche Frage stellen: »Warst Du schon einmal im Mainzer Dom?« Eingestanden, für einen Mainzer ist das eine unerhörte Frage. Aber so unerhört, wie sie erscheint, ist sie gar nicht. Denn zu ihrer Verwunderung werden Sie feststellen müssen, dass viele Mainzer noch nie in ihrem Leben dort waren. Das Gleiche gilt für das Gutenberg Museum oder die Kunsthalle. Viele Mainzer scheinen ihre eigenen Stadt nicht zu kennen. Wer war denn schon einmal in der pittoresken Pankratiusstraße? Oder dem Containerhafen? Wer hat denn schon die nördliche Eisenbahnbrücke überquert? Hand aufs Herz! – Ich auch nicht. Wie bei vielen anderen Menschen, so ist auch mein Blick in die Ferne gerichtet: nach Paris, London oder Timbuktu. Die eigene Stadt ist und bleibt einem fremd.
Schwärme von aktenköfferchentragenden und powerpointbewehrten Beratern sind schon seit Jahren in allen Bereichen der Wirtschaft und Verwaltung unterwegs, um aus Effizienzgründen gegen die sogenannte Betriebsblindheit, also gegen verfestigte Denk- und Handlungsgewohnheiten, anzukämpfen. Anders ausgedrückt: Sie versuchen die Menschen aus ihrem Gleichgewicht zu bringen, obwohl diese alles dafür tun, um es zu bewahren, oder, falls sie es für verloren glauben, wieder zu finden. Wie sonst ist die Inflation des neudeutschen Wortes »Balance« auf Feuchtigkeitscrémes und Bodylotions, Kautabletten und Laufschuhen, selbst Kaugummis und Frischkäse zu verstehen? Ja, es gibt sogar schon die Original »Balance-Pizza«.
Aber zurück zu Mainz: Angesichts der eigenen Stadtblindheit wünscht man sich jemanden wie diese Berater oder irgendetwas anderes, das einen beim Einkauf aus dem gewohnten Trott reißt, das einen nur leicht aus dem Gleichgewicht bringt. So etwas wie eine Stolperschwelle mit der Aufschrift »Achtung Dom, bitte eintreten!«, die in der Höhe so eingerichtet ist, dass man nicht fällt, sondern stolpert. Das wäre aber eine rabiate Methode, die man ruhig den Unternehmensberatern überlassen kann.
Man könnte aber auch einen Kunstgriff anwenden, indem man einfach einmal seine Rolle als Mainzer Bürger ablegt und in die eines Touristen schlüpft, mit Übernachtung in einem Mainzer Hotel. Oder man lädt sich Freunde von außerhalb ein, mit denen man Mainz erkundet. Oder man schnallt sich beim nächsten Einkauf einen Campingstuhl auf den Rücken, den man je nach Bedarf aufklappt. Noch besser aber wäre ein rotes Sofa, wenn man zu zweit ist. Ganz sicher erscheint Mainz dann in einem anderen Licht.
Das Parkhaus-Paradox
Als Bundes- und Landespolitiker hat man es wahrlich nicht leicht. Nicht umsonst kommt es in jüngster Zeit immer wieder zur Politikflucht. Aber gilt das auch für die Lokalpolitik? - Stellen Sie sich vor, Sie allein dürften für einen Tag die Geschicke der Stadt Mainz lenken, und just an diesem Tag stünde die Entscheidung an, ob die Parkgebühren im gesamten Stadtgebiet um fünf Prozent erhöht werden sollen. Nichts einfacher als das, denken Sie, denn als Autofahrer sind Sie natürlich von Natur aus dagegen. Sie aber sollen Ihr persönliches Interesse zurückstellen und auch jede Form der in solchen Fällen üblichen Günstlingswirtschaft. Sie wissen also nichts vom hintergründigen Macht- und Ämtergeschacher und sind in Ihrer Entscheidung ganz auf das Gemeinwohl gerichtet.
Also überlegen Sie: Wenn Sie die Parkgebühren nicht erhöhen, können Sie die teuren Parkhaus-Neubauten der letzten Jahre nicht abbezahlen und müssen sie entweder veräußern oder die dafür aufgewendeten Kredite umschulden. Wie Sie aber aus eigener Erfahrung wissen, macht eine Verteuerung des Parkens die Mainzer Innenstadt unattraktiv. Denn wer nimmt schon die aus den Parkgebühren entstehenden Mehrkosten in Kauf, wenn er sie anderswo, etwa auf der »Grünen Wiese« vor der Stadt umgehen kann? Über kurz oder lang bleiben also die Käufer aus, die Innenstadt verödet, was sich selbstverständlich auch auf die Parkhäuser auswirkt. Die können sich nämlich nicht mehr amortisieren. Sie sehen sich also vor ein ausgewachsenes Dilemma gestellt. Denn für was Sie sich auch entscheiden, beide Wahlmöglichkeiten führen zu ein und demselben unerwünschten Resultat und damit wieder zur Ausgangssituation zurück. Spätestens jetzt hätten auch Sie gute Lust, das Handtuch zu schmeißen und die Lokalpolitiker die Suppe auslöffeln zu lassen, die sie sich selbst eingebrockt haben. Doch Sie halten inne. Vielleicht existiert ja noch eine weitere Entscheidungsmöglichkeit, fern der alten Denkmuster? Sie sind kühn und gehen am eigentlichen Problem vorbei: Wie wäre es beispielsweise, den öffentlichen Nahverkehr zum Nulltarif einzurichten? Die Nutzung von Bus und Straßenbahn wäre dann frei wie in der belgischen Stadt Hasselt. Wie dort würden dann vielleicht auch bis zu 40 Prozent mehr Menschen nach Mainz kommen und wie dort die Umsätze des Einzelhandels steigen. Aus den Gewerbesteuereinnahmen könnte man dann die Parkhäuser abbezahlen und zu Kulturstätten umfunktionieren. Sie beginnen zu träumen. Aber halt, wenn es jede Stadt so machen würde? Was geschieht dann mit der Automobilindustrie, den Arbeitsplätzen, der Kaufkraft… und schließlich mit den Krediten für die Parkhäuser?
Die Rückkehr der Teletubbies
Es gibt doch immer noch Menschen, die bezweifeln, dass das Fernsehen die persönliche Entwicklung beeinträchtigen oder gefährden kann. Dabei liegt das doch eigentlich auf der Hand. Nehmen wir zum Beispiel die so harmlos erscheinende Kinderserie »Die Teletubbies«, die in Deutschland schon im Jahre 1999 auf Sendung gingen. Wer kennt sie nicht, diese grellbunten, pummeligen Filzwesen mit verschieden geformten Antennen auf dem Kopf und einem aufgemalten Bildschirm auf dem Bauch, die sich mit »Ah-Oh« begrüßen und in einer hasenbestückten Landschaft widersinnig agieren?
Berühmt geworden sind sie mit ihrer rudimentären Sprache und ihrem stumpfsinnigen Tubby-Winke-Winke, das man bald überall in jedem Kindergarten und auf jedem Kinderfest bis zur Genüge erleben durfte. Die Kinder, die damals den Beginn der Serie mitverfolgten, scheinen mittlerweile erwachsen geworden zu sein. Denn in jeder Stadt sieht man sie jetzt immer häufiger auf öffentlichen und halböffentlichen Plätzen, wie sie ihre kindlichen Vorbilder mit aberwitzigen Verrenkungen etwa einem drei- oder vierminütigen „Winke-Winke“ oder einem ebenso langen blödsinnigen „Auf-einem-Bein-im-Kreis-Herumhüpfen“ nachzuahmen versuchen. Dabei wird als Ersatz für die Antennen am Kopf heftig gefilmt und fotografiert, falls keine Webcam in der Nähe ist, damit man ihre Heldentaten später im Internet sehen kann. Sie kommen scheinbar spontan aus dem Nichts, wie jüngst zu einer Konfetti-Kissenschlacht am Karmeliterplatz oder an Karfreitag zu einem wilden, viertelstündigen tonlosen Teletubbie-Getanze vor dem Hauptbahnhof, bei dem sich der Zuschauer an die mittelalterliche Tanzwut infolge der Pest erinnert fühlen musste. Aber in Wirklichkeit ist alles über Webblogs, Newsgroups, SMS oder E-Mail-Kettenbriefe bis ins Kleinste organisiert. Teilnehmer sind meist 20 bis 30 junge Erwachsene, denen man wirklich Haare auf den Zähnen wünscht. Sobald eine Trillerpfeife oder etwas Ähnliches ertönt, geht es los.
„Flashmob“ nennen sie diese Veranstaltungen, nicht zu verwechseln mit einem Wort ganz ähnlicher Aussprache, dem Wischmopp. Während letzterer eine fest umschriebene Funktion erfüllt, hat erstere überhaupt keine, außer vielleicht Befremden und Kopfschütteln bei den Passanten auszulösen. Manche behaupten sogar, ein Flashmob diene der Illustration des Absurden. – Als ob wir so etwas noch bedürften! Man denke an die Absurdität der Finanzkrise oder das sechsmalige sinnlose Jacket-Auf-und-Zu-Geknöpfe einiger Bundesminister binnen eines zwanzigsekündigen Sendebeitrages in der Tagesschau als einzige Reaktion auf die Krise.
Die Bretter, die die Welt bedeuten
»Brauchen wir eigentlich noch ein Theater?«, ist eine Frage, die in Zeiten knapper Kassen immer häufiger gestellt wird, meist von Menschen, die es noch niemals von innen gesehen haben, – sei es, dass sie sich nicht für das Theater interessieren oder sich vor dem Fernseher besser aufgehoben fühlen. Diese Frage wird aber auch von Menschen gestellt, die das Theater lieben, für die es aber zur Bedürfnisanstalt pensionierter Studienräte verkommen und im kulturellen Leben der Stadt nicht ausreichend verankert ist. Für Menschen also, die »die Bretter, die die Welt bedeuten«, längst anderswo gefunden haben, etwa in der freien Szene, wo sich Mainzer Regisseure, Mainzer Schauspieler und Mainzer Autoren zusammenfinden, um mit wenig Geld recht passable Projekte auf die Beine zu stellen.
Dem Wunsch der zweiten Kritikergruppe nach stärkerer Einbindung des Theaters in das kulturelle Leben der Stadt versucht gerade ein gewagtes titelloses Theaterexperiment, ein Verwirrspiel, wenn man so will, nachzukommen, das sich in seiner postmodernen Ausrichtung an keine feststehenden historischen Formen halten will. – Dennoch fühlt man sich streckenweise an die Fastnachtsspiele eines Hans Sachs oder an Schwänke wie »Die Schildbürger« erinnert. – Aufführungszeiten und –orte dieses sich als Fortsetzungsgeschichte präsentierenden Experiments sind beliebig, nur die beiden Hauptfiguren stehen fest, der Oberbürgermeister und der Theatervereinsvorsitzende, beide glänzend gespielt von den Mainzern Jens Beutel und Wolfgang Litzenburger. Beide Darsteller füllen übrigens auch im wirklichen Leben diese Ämter aus. Und da beginnt auch schon das Verwirrspiel um Schein und Wirklichkeit. Im Mittelpunkt steht, wie bei jedem guten Stück, auch wenn es sich postmodern schilt, ein ausgewachsener Konflikt, der den einen als Verweigerer und den anderen als beleidigte Leberwurst dastehen lässt. Dabei geht es, wie es scheint, um nichts Geringeres als die Möblierung des Theaterfoyers, für die der Vereinsvorsitzende aus Vereinsmitteln eine erkleckliche Summe bereitstellen möchte, die der Oberbürgermeister aber mit dem Hinweis auf den Brandschutz ablehnt. Oder ist es doch ganz anders?
Die Handlung ist ebenso verwirrend wie fesselnd. Sie scheint für etwas anders zu stehen, etwas, das man vielleicht als Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom bezeichnen könnte. Oder geht es vielleicht doch nur wieder um die schnöde Macht? Denn der Vereinsvorsitzende ist in Personalunion auch der Ehemann der politischen Herausforderin des Bürgermeisters. Das Ende ist offen und das Mainzer Publikum gespannt.
Die Versorgungslücke
Man lernt doch wirklich nie aus! Da lebt man jahrelang im schönen Mainz und glaubt zu wissen, an was es der Stadt mangelt, an Kultur, an Geld, an Kaufkraft der Bürger … Doch dann wird einem von den Stadtvätern unverhofft erklärt, dass es in Mainz auch einen Mangel an Möbelhäuser gebe, dass also eine echte Versorgungslücke im Einrichtungsbereich bestehe.
Hätten Sie das gewusst? – Nein!? Nun, das braucht Sie jetzt auch nicht mehr zu bekümmern, denn diese Lücke wird demnächst geschlossen. Gott sei Dank, wird man da jetzt sagen, bevor noch Schlimmeres geschieht. Ein Dank gebührt natürlich auch unseren Stadtvätern, die in weiser Voraussicht und vorauseilender Fürsorge diese Versorgungslücke mit der Ansiedlung des Möbelhauses Martin vor den Türen der Stadt gestopft haben. – Wobei von einer Lücke eigentlich gar keine Rede sein kann, wenn man an die Ausmaße denkt, die das neue Möbelhaus einnehmen soll, sondern von einem riesigen Versorgungs-Schlund, der sich über die Jahre gebildet haben muss. – Dass man das nicht früher bemerkt hat? – Mit einem Areal von 45.000 qm – das entspricht etwa neun Fußballfeldern bzw. mehr als zwei Drittel der Verkaufsfläche der Innenstadt – soll das Möbelhaus Martin sogar Ikea in Wallau oder Mann Mobilia in Eschborn übertrumpfen. Ein gigantisches Projekt, das an den Turmbau von Babel erinnert. Nur wer Großes denkt, kommt hoch hinaus.
Was aber geschieht bei einer solchen Gigantomanie denn dann mit dem Einzelhandel in der Innenstadt, fragt man sich, wenn man sich frei nach dem berühmten Spruch des Lehrers Bömmel in der Feuerzangenbowle »ma janz dumm stellt«? Blutet die Innenstadt denn dann nicht aus? Werden die Käuferströme denn dann nicht abgezogen, was zur Qualitätsabnahme des innenstädtischen Warenangebots führt? Schon jetzt eröffnen vor allem Billigshops und -ketten ihre Filialen in der Innenstadt dicht an dicht. Ein Teufelskreis.
»Aber nein!«, erhält man dann von den Stadtvätern zur Antwort. »Es gibt nichts Besseres als Konkurrenz. Den gegen Mainz und den eigenen Einzelhandel gerichteten Wettbewerb nehmen wir auf.« Na, wenn das so ist! Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Denn dieser Schlachtruf erinnert doch ein bisschen an das trojanische Pferd, wenn man bedenkt, dass man sich die Konkurrenz selbst ins Haus holt. Das Ende ist bekannt. Aber lehnen wir uns zurück. Denn mit dem Möbelhaus soll, so sagen die Stadtväter, auch dem seit Jahren nachgewiesenen Kaufkraftverlust begegnet werden. Auch hier hat man wieder etwas Neues dazu gelernt, denn bislang dachte man, dass der Kaufkraftverlust aus dem Rückgang der privaten Einkommen resultiere und dass man dem Rückgang der Kaufkraft folglich nur durch eine Einkommenssteigerung begegnen könne. Aber weit gefehlt. Also brauchen wir nur genug Möbelhäuser vor Mainz zu bauen und alles wird gut!
Hase und Igel
Man hat Zeit – gewiss ein sehr rares Gut – und schlendert ganz gemütlich und ohne Ziel durch die Einkaufsstraßen unserer Stadt, als habe man gerade die Langsamkeit entdeckt. Um einen herum nichts anderes als hektische Betriebsamkeit. Alles hechtet und hetzt von Geschäft zu Geschäft, von Termin zu Termin oder gerade dem Bus hinterher. Besonders augenfällig in all dem Gehetze sind die Menschen, die an einem Papierkaffeebecher mit einem kleinen Loch im Plastikdeckel nuckelnd durch die Gegend rennen, als hätten sämtliche Frankfurter Cafés geschlossen. Coffee-to-go nennt man dieses nicht mehr ganz so neuartige Phänomen, worüber in letzter Zeit so viel berichtet wird. Kein anderes Alltagsding wie dieser Papierkaffeebecher, so heißt es, symbolisiere die Widersprüche des modernen Menschen besser. Denn er stehe für das Verlangen nach Muße, befriedigt im Vorüberhasten, spiegle kurzum unser Verhältnis zur Zeit. Zeit, so lautet die Devise, muss gespart werden, aber auf eine sanfte und entspannende Art, wie beim Coffee-to-go, also, um das Ding beim Namen zu nennen, wie beim aushäusigen Kaffeetrinken aus schnöden Pappbechern. Doch wer Zeit spart, müsste doch, so fragt man sich zwischen all den Kaffee schlürfenden Unrasten (ein altertümlicher, aber doch so treffender Begriff für den ruhelosen und getriebenen Menschen), bestimmte Rücklagen gebildet haben, müsste also an anderer Stelle über genügend Zeit verfügen? Was machen diese Unraste eigentlich, so fragt man sich weiter, mit der aufwändig eingesparten Zeit? Die Frage lässt sich für einen Flaneur und guten Beobachter leicht beantworten: Sie setzen sie ein, um noch mehr Zeit zu sparen. Daher müssen die Autos schneller fahren, die Schweine und Hühner schneller wachsen… Und der Mensch? Er muss immer jünger, aktiver, flexibler und natürlich auch schneller werden. Die Unraste sparen also nicht, um mehr, sondern um noch weniger Zeit zu haben. Es ist wie bei der Fabel vom Hasen und Igel. Sie laufen und laufen – holen die Zeit niemals ein.
Als Flaneur kann man jetzt den Kopf selbstgerecht lächelnd leicht zur Seite neigen und jedem Passanten, der es wissen will, am eigenen Beispiel demonstrieren, wie einfach es doch ist, sich Zeit zu nehmen. Denn man muss sie sich nur stehlen. Nicht umsonst wird der Flaneur auch Tagedieb genannt. Und weil man diese Weisheit über möglichst viele Passanten ausstreuen möchte, promeniert man nicht zum nächsten Restaurant, sondern zum Brezelstand. Brezel-to-go, könnte man jetzt sagen. Einszweidrei, im Sauseschritt läuft die Zeit; wir alle laufen mit.
Rot-Weiß
Wer kennt sie nicht, Alltagssituationen, wie diese: Man kommt gerade die Tür herein, natürlich vollbepackt wie ein Esel, und hört das Telefon schrillen? Was tun?, fragt man sich, aber nicht besonders lange, denn schon liegen die Tüten und Taschen auf dem Boden. Man stürzt zum Telefon, die Rufnummer ist unterdrückt, nimmt den Hörer aber trotzdem in die Hand und brabbelt seinen Namen hinein.
»Guten Abend. Sind Sie Herr XY?«, säuselte eine weibliche Stimme am anderen Ende der Leitung, als habe man sich soeben nicht als solcher zu erkennen gegeben. »Ja«, bestätigt man ein zweites Mal seine Existenz, nun aber doch etwas genervt, und fragt, was sie denn von einem wolle.
»Nun«, flötet die Stimme, »ich rufe im Auftrag des Bundesmeinungsforschungsinstitutes an.« Soso, Bundesmeinungsforschungsinstitut, denkt man, während die Stimme erklärt, dass sie eine Umfrage durchführen wolle. – Für wie bescheuert halten die einen denn? Es geht bestimmt wieder um eine Versicherung, eine Kapitalanlage oder eine Lotterie… »Wären Sie bereit, mir eine kurze Frage zu beantworten.« Man zögert mit der Zustimmung, weil man gerade im Begriff ist, das Gespräch mehr oder weniger freundlich zu beenden, aber schon steht die Frage im Raum; eine ganze andere, als man sie sonst gewohnt ist: »Können Sie mir sagen, welche Farbe Mainz hat?«
Man ist perplex. Welche Farbe? Mainz? So ein Quatsch, denkt man. Eine Stadt hat doch keine Farbe! Und doch, es muss ja so sein, denn man wird ja danach gefragt. Städte unterscheiden sich, manchmal auch fundamental, obwohl sich die Innenstädte eigentlich immer mehr angleichen.
»Rot-Weiß!« antwortet man und denkt dabei an die Stadtfarben, also die Farben der Stadtflagge, und dementsprechend an Mainz 05.
»Nein«, antwortet die Stimme lapidar.
Erst jetzt merkt man, dass es sich um keine Meinungsumfrage, sondern ein Quiz handelt. Man macht aber trotzdem weiter, um herauszufinden, was hinter all dem steckt. Außerdem denkt man vielleicht gerade an New York: Yellow Cabs, gelbe Zeitungsboxen, gelbes Licht am Chrysler-Gebäude, gelbe Schulbusse, gelbe Straßenschilder. »Schwarz«, sagt man jetzt, meint das aber nicht politisch, sondern denkt an Johannes Gutenberg und die Druckerschwärze.
»Auch da liegen sie falsch«, entgegnet die Stimme. »Sie haben noch eine Chance.«
»Blau-Gelb – die Mainzer Verkehrsbetriebe?«, antwortet man schnell und schiebt noch hinterher: »Sandsteinfarben wie der Mainzer Dom?«
»Nein«, sagte die Stimme, »die Befragung ist leider beendet, wenn Sie wissen wollen, welche Farbe ihre Stadt hat, dann rufen sie folgende kostenpflichtige Rufnummer an …«
Jedem Anfang wohnt ein...
Mit Volksweisheiten ist das, wie man immer wieder feststellen muss, so eine Sache. Mal treffen sie zu, mal wiederum nicht, obwohl sie in Zeiten des Wandels immer wieder als Orientierungshilfen angepriesen werden.
Betrachten wir uns aus gegebenem Anlass einmal das Sprichwort »Aller Anfang ist schwer!« und gehen zurück zu den ersten Tagen des neuen Jahres. Wer in dieser vorsatzschwangeren Zeit in den Morgen- und Abendstunden am Rhein entlang flaniert, kann dort trotz Schnee und Eiseskälte fast mehr Laufbegeisterte als im Sommer sehen. Umgekehrt verhält es sich in den Fastfoodrestaurants: eine gähnende Leere allüberall. Das liegt nicht etwa daran, dass die Menschen genug von den trägen, kalorienreichen Feiertagen haben, vielleicht auch das, sondern dass sie die hervorragende Gelegenheit des Jahreswechsels beim Schopfe gepackt haben, um ein neues Leben zu beginnen oder zumindest ein neues Vorhaben in Angriff zu nehmen. Und was hat man sich nicht alles vorgenommen: Man wird sich gesünder ernähren und abnehmen, Süßigkeiten meiden. Man wird mehr Sport treiben. Man wird häufiger ins Theater gehen, mehr lesen und es endlich ernst mit dem lebenslangen Lernen nehmen und eine neue Sprache lernen. Man wird sich mehr Zeit für die Familie, die Freunde gönnen etc. pp.
Sind diese Vorsätze auch noch so unterschiedlich, gemeinsam ist allen, dass ihr Anfang leicht ist, wie ein anderes Sprichwort besagt, und nicht schwer. Denn selbstverständlich wird am 2. Januar um 6 Uhr aufgestanden. Selbstverständlich wird erst einmal eine eiskalte Dusche genommen. Selbstverständlich joggt man nicht nur vom Kurfürstlichen Schloss bis zur Eisenbahnbrücke, sondern macht die berühmte Drei-Bücken-Tour und eine Umrundung von Stadt- und Volkspark gleich mit.
Ab dem 6. Januar gestattet man sich hin und wieder aber doch Dispens, indem man etwa eine Stunde länger schläft, weil man die Tage vorher doch so sportlich war. Oder man gönnt sich ein Frühstückshörnchen, weil es ja nicht unbedingt zu den Süßigkeiten zu zählen ist und weil man die Vorsätze bisher so vorbildlich eingehalten hat. Bald ist es wie bei einem porösen Luftballon, aus dem allmählich die Luft entweicht.
Was soll man nun glauben? Ist aller Anfang schwer oder leicht? Es scheint beides zu stimmen. Im Leben stimmen von zwei sich widersprechenden Weisheiten immer beide. Das macht es so entsetzlich kompliziert; zu kompliziert für den gesunden Menschenverstand. Machen wir es uns leichter, ziehen wir uns wie Münchhausen am eigenen Schopf aus dem Sumpf und fangen ein neues Leben an …
Vom Verschwinden des Paradekissens
Geht es Ihnen nicht auch manchmal so, dass Sie mitten im Gang durch die Stadt oder wo auch immer, innehalten und sich verstört die Augen reiben? »War da nicht noch was?«, fragen Sie sich. »Fehlt da nicht etwas?« – Und tatsächlich, der Kaugummiautomat an der Hauswand ist verschwunden; auch das kleine Café an der Ecke war eben noch da und ist plötzlich weg, die Bäckerei in der Nebenstraße oder der Trimm-Dich-Pfad im Gonsenheimer Wald, von der Postfiliale und dem Tante-Emma-Laden ganz zu schweigen.
Gewiss Dinge verschwinden, das ist nun mal ihr Lauf. Kommentarlos nehmen wir das hin. Ja, es fällt uns oft nicht auf. Warum eigentlich? Obwohl uns derzeit so viele Dinge abhanden kommen. Man denke an die Glühbirne, den Wühltisch. Wer erinnert sich noch an die Trockenhaube, den Monokassettenrekorder, die Klopapierrolle im gehäkelten Schutzüberzug auf der Hutablage im Auto, den Wackeldackel ebendort, das Einkaufsnetz und natürlich die ganze DDR? Einiges existiert auch heute noch, wenn auch bisweilen in modifizierter Form. Manches ist aber für immer verloren. Wer kennt denn noch das Paradekissen? Das prächtige, spitzenbedeckte Kissen, das mitten im groß- oder urgroßelterlichen Bett hinter dem hochgetürmten Plumeau auf dem eigentlichen Kopfkissen prunkte? Man bekam es nur selten zu sehen, weil das großelterliche Schlafzimmer eine Tabuzone oder, wie man heute dazu sagt, eine No-go-Area war. Wenn man es aber dennoch zu Gesicht bekam, fragte man sich, wozu dieses pompöse Ding, das kaum kleiner als man selbst war, denn eigentlich gut sei, denn darauf geschlafen wurde sicherlich nicht.
Besonders jetzt in der Adventszeit, wenn die Zurückversetzung in Kindertage im Schwange ist, springen uns die verlorenen Dinge hie und da ins Bewusstsein und wir beginnen uns tiefergehende Gedanken zu machen. Was hat das Verschwinden der Gartenzwerge nicht alles für Rätsel aufgegeben. Dann bleiben wir auch an solchen Dingen wie dem Paradekissen hängen. Dabei geht es uns eigentlich gar nicht um die Dinge selbst, sondern um die Erinnerungen, die damit verknüpft sind: der Kuss hinter der Ado-Gardine (die mit dem Goldrand), das glückliche Händchen am Kaugummiautomat, das intime Liebesgeflüster im muffigen Telefonhäuschen und der verbotene Blick auf das kunstvolle Arrangement des großelterlichen Bettes. Mit wohliger Wehmut stellen wir dann fest, dass mit dem Verschwinden der Dinge auch gewohnte Handlungsabläufe, Rhythmen und Gesten für immer verloren sind, wie etwa der Handkantenhieb, der einen scharfen Knick in der Mitte des Paradekissens erzeugte, womit Großmutter zeigte, dass sie eine gute Hausfrau war.
Die hohe Kunst der Verstellung
Wer kennt sie nicht - die besondere Spezies der Verstellungskünstler, die sich anders geben, als sie sind? Sie sind überall dort anzutreffen, wo mehrere Menschen zusammenkommen. Für sie ist die Kunst der Verstellung zur Gewohnheit geworden. Da ist zum Beispiel der Handynutzer, der vor einem Publikum, sei es in einem Café oder vor dem Dom mit dem Headset auf dem Kopf unüberhörbar vermeintlich wichtige Angelegenheiten besonders aus dem Geschäftsleben erörtert, als ginge es um die Rettung des ganzen Bankengewerbes. Er spricht so laut, dass keiner der Gäste oder Passanten auf die Idee käme, er führe Selbstgespräche, obwohl er es ganz sicher tut. Oder der Solariennutzer, der uns mit seiner künstlichen Bräune mitten im Winter vorgaukelt, er käme gerade frisch aus dem Urlaub oder vom Rheinstrand. Oder der Herr mit der falschen Rolex, der im Café neben uns sitzt, seinen Espresso trinkt und anschließend, ohne dem Kellner ein Trinkgeld zu geben, bezahlt.
Sind alle diese Mehrscheiner und Protzer, diese Heuchler und Scheinheiligen von dem böswilligen Verlangen beseelt, uns hinters Licht zu führen? - Ganz sicher nicht! Beobachten wir die alte, mondäne Dame mit der teuren Louis-Vuitton-Reisetasche an Bahnsteig 3 und 4, dort, wo die IC’s und ICE’s ankommen. Jeden Tag steht sie da, aber nicht, wie man annehmen könnte, um täglich aufs Neue zu verreisen oder die ankommenden und abfahrenden Züge zu beobachten, sondern um in sie einzusteigen, wie all die Reisenden um sie herum, und in Sekundeneile, je nachdem, wie lange der Zug dort hält und wie stark das Gedränge ist, einige Wagons nach leeren Pfandflaschen zu durchkämmen und wieder auszusteigen. Trägt sie nun diese extravagante Eleganz zur Schau, um uns zu täuschen und ihre Armut zu kaschieren? Oder spielt sie die wohlhabende Reisende, um ihre Würde zu bewahren? – Wir wissen es nicht. Das einzige aber, was wir wissen können, ist, dass sich die tausend Falten ihres Gesichts, in denen der Schmutz und die Schwermut sitzt, in dem Moment, in dem sie den Zug besteigt, zu einem verzückten Lächeln zusammenziehen. Denn für diesen einen Augenblick nährt sie die Illusion, sie würde wirklich verreisen. Damit kann die Verstellung die Wirklichkeit ein klein wenig verändern. Denken wir daran, wie sich unsere Stimmung schlagartig aufhellt, wenn wir unsere Gesichts- besonders aber die Augenmuskulatur in die Position eines Lächelns bringen. Das ist uns als Mainzer nicht fremd, gerade jetzt, wo die fünfte Jahreszeit vor der Tür steht. Aber das ist eine andere Geschichte.
Herbstgebläse
Obwohl die Tage kürzer und die Nächte länger und um einiges kälter werden, könnte man dem Herbst im goldenen Mainz so viel Schönes abgewinnen, wenn …ja, wenn da nicht diese befremdlichen Maschinen wären.
Sie tragen nichts sagende Namen wie QB 1601SP oder Toro Ultra 53, um nur zwei zu nennen. Die Rede ist von den Laubbläsern und - saugern. Der Männer liebstes Herbstspielzeug. Aber eigentlich geht es gar nicht um diese Maschinen, sondern um die Menschen, die sie bedienen, in diesem Fall also fast ausschließlich Männer. Denn kaum fällt das Laub, und schon stehen sie da, die Männer, breitbeinig und mit gespieltem Gleichmut, allüberall in Mainz, wo es Bäume gibt, die Ohrenschützer auf dem Kopf und das Laubabwehrgeschütz in der Hand, um mit einem Höllenlärm und einer Luftgeschwindigkeit von bis zu 160 Stundenkilometern alles vor sich her zu blasen, was ihnen in die Quere kommt. Kollateralschäden eingeplant: Kleinstlebewesen, die den Boden bewohnen wie Käfer, Spinnen und sogar Amphibien. Alles wird dann zu einem riesigen Laubhaufen aufgetürmt, als ginge es darum, die Saalwette bei »Wetten dass…« zu gewinnen.
Jetzt könnte man sich fragen: Warum wurde der Rechen oder der Besen gegen ein Laubgebläse ausgetauscht, das so viel Krach macht und so viel Ärgernis erregt? Warum wurde die meditative Tätigkeit des Laubrechens durch das martialische Laubblasen- und saugen ersetzt? Ganz sicher um Arbeitszeit und - plätze einzusparen. Diese Erklärung wird derzeit für alles und jedes bemüht. Auch stelle man sich vor, man müsste als Entsorgungskraft der Stadtwerke den ganzen Tag Laub rechen… Gewiss! Aber ist denn diese Erklärung nicht auch etwas zu plakativ? Könnte es sich beim Laubblasen nicht doch um ein ganz anderes Phänomen handeln, etwa einen versteckten Krieg, einen Kampf der Frühaufsteher gegen die noch immer gering geachteten und von einem notorisch schlechten Gewissen geplagten Langschläfer? Denn das Laubgebläse ist meist nur vormittags zu hören. Oder gibt es noch einen anderen Grund, eine tieferen, einen biologischen Grund, der das martialische Verhalten dieser Männer erklärt? Gehen wir doch einmal ins Tierreich. Denken wir an die Brunftzeiten beim Hirschen oder der Stockente. Ihre Balzaktivitäten finden im Herbst statt. Und beim Mann, beim Laub blasenden Mann? Eben auch im Herbst, d. h. verstärkt im Herbst. Denn im Juli und August werden die meisten Kinder geboren, ergo im Herbst die meisten gezeugt. So könnte der herbstlich bedingte Testosteronanstieg beim Mann der nördliche Erdhalbkugel seine Entsprechung letztendlich auch beim Laubblasen finden.
Standortwechsel ohne Beigeschmack
Auf den ersten Blick erscheinen manche Dinge doch etwas anders, als sie wirklich sind. Zum Beispiel die Sache mit den Briefkästen in der Mainzer Innenstadt. Wer von uns ist in der letzten Zeit denn nicht wie immer brav zum öffentlichen Briefkasten gedackelt, um dann verwundert festzustellen, dass er verschwunden ist? Naja, nicht verschwunden, das wäre zu viel gesagt, - obwohl es doch leider für einige Briefkästen zutrifft. Denn einige Tage später, nachdem man die Sache wieder vergessen und seine Post schon zu einer mehr oder weniger nahe liegenden Poststelle gebracht hat, steht er da, der geliebte Briefkasten, wie aus dem Boden gestampft. Aber nicht mehr an der gleichen Stelle wie vorher, sondern nur ein paar Meter weiter, gerade so weit, dass man ihn von seinem alten Standort unmöglich hätte entdecken können, es sei denn man wäre auf eine Leiter oder einen Baum gestiegen. Aber lassen wir das! Auf den ersten Blick könnte man meinen, die Deutsche Post tue das nur, um mit uns Versteck zu spielen oder uns zu ärgern. Aber weit gefehlt. Sie tut es auch nicht, um Kosten zu sparen, denn dann hätte sie die Briefkästen einfach stehen lassen. Auch nicht aus strategischen Gründen, etwa weil am neuen Standort mehr Menschen vorbeikommen. Denn man denke da nur an den Briefkasten am Bahnhof. Der steht jetzt kaum auffindbar weitab vom Schuss.
Vielleicht soll die Umsiedlung der Postkästen auf einen zweiten Blick so etwas wie ein Lehrstück abgeben, quasi ein »Denk-mal!«, das uns zu einem Perspektivwechsel anregt, wie er von den Meinungsmachern angemahnt wird, um liebgewonnene Gewohnheiten aufzugeben, etwa den Gang zum Briefkasten? Das könnte sein. Denn so gewänne man einen anderen Blick auf seine Umgebung.
Aber was nützt uns eine bloße Vermutung? Gehen wir der Sache doch auf den Grund. Da wäre zum Beispiel der Briefkasten an der Boppstraße, der vor nicht allzu langer Zeit ein paar Meter in Richtung Stadtmitte versetzt wurde. Er steht direkt vor einem kleinen Café, das früher einmal ein Teeladen war. Ein wunderbarer Ort, um Feldforschung zu betreiben. Nun, dort setzt man sich also hin, am besten auf die Terrasse, und wartet ab, was geschieht, natürlich den Briefkasten immer im Blick. Man kommt ins Gespräch, mit der Bedienung, mit dem Tischnachbar und der Tischnachbarin und alle reden überraschenderweise nur über eins, den Briefkasten, als ob es nichts Wichtigeres gäbe. Dass jetzt hier vielmehr los sei, seit er dastehe, erzählen sie und, was weitaus bedeutender ist und den Briefkasten zu einer Partnerschaftsanbahnungsstelle macht, dass sie dadurch ihre große Liebe gefunden hätten. Danke Deutsche Post!

Hubert Neumann
ist Historiker, Dozent für wissenschaftliches Schreiben und Autor. Für sein literarisches Schaffen hat er mittlerweile mehrere Preise erhalten, u. a. den Martha-Saalfeld-Förderpreis des Landes Rheinland Pfalz. Sein grotesk-trashiger Kriminalroman „Lusthängen“ wurde von den Lesern der Wochenzeitung DIE ZEIT
auf Platz 9 der Leser-Bestenliste des Jahres 2008 gewählt.
Kontakt: kolumne@dielokalezeitung.de
