Vier musikalische Giftbrauer mischen das Rhein-Main-Gebiet auf
Toxic Noise geht nach vorne
Wenn man die Gruppe Linus Q nach ihrem Stil fragt, bemühen sie nicht gerne die abgegriffene Floskel „wir passen in keine Schublade“. Manche nennen es Alternative Rock oder Independent. Sie selbst bezeichnen ihre Musik lieber als „Toxic Noise“, weil sie auf den Hörer wirkt wie Gift mit allen Facetten: Schleichend, gefährlich, berauschend, betörend, zerstörend.
Immer nur bekannte Songs wiederzukäuen ist für kreative Musiker auf Dauer wenig erfüllend. So hat Sängerin und Bandgründerin Yvonne Weber aus Frankfurt 2004 den Entschluss gefasst, mit Gleichgesinnten, eigene Ideen auf hohem Niveau in Musik zu verwandeln: „Ich wollte diese Musik machen, die ich hören möchte, wenn ich das Radio aufdrehe, aber leider selten finde. Musik, die etwas ausdrücken kann, in der ich mich selber finde und die mich glücklich macht.“
Vielseitigkeit als Markenzeichen
Durch den Bekanntenkreis und über das Mainzer Musiker-Portal ‚mukoma.de’ fanden sich schließlich drei Seelenverwandte, die ihre Vision teilen und mit demselben Ehrgeiz umsetzen. Dabei weigern sich die vier konsequent, ihre Melodien auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner zu reduzieren, wie es in kommerziellen Projekten üblich ist. So wurde bald die giftige Vielseitigkeit der Band zum Markenzeichen.
Für den Wiesbadener Schlagzeuger Uli Koch war die Möglichkeit, bei ‚Linus Q’ zu spielen ein Angebot, das man nicht ablehnen kann: „Moderne Kompositionen jenseits stilistischen Kategoriedenkens. Vier Musiker, die sich auf Augenhöhe begegnen. Kreativität, Spielfreude, Energie, Herz und die richtige Dosis Gift – das ist für mich Linus Q.“
Gitarrist Rolf Germer aus Flörsheim schätzt am meisten den künstlerischen Freiraum, in dem er sich ausleben kann. Er grinst und beschreibt die Mischung in seinen Worten als „drückende Riffs mit giftgrüner Metalic-Lackierung, schwebende Akkordteppiche, punkige Powerchords – alles geht, es gibt keine Tabus. Die Energie der Songs geht dabei immer nur in eine Richtung, und zwar nach vorne. Wir wollen aber unser Publikum nicht nur akustisch überraschen. Neben der Musik spielt ebenso der visuelle Part eine große Rolle, sodass man Linus Q auf jeden Fall wieder sehen will.“
Der Mainzer Bassist Andreas Schermer schätzt die Herausforderung in den gemeinsam erarbeiteten Arrangements: „Die Songs von Linus Q haben einen großen Spaßfaktor. Sie können geradlinig oder groovig sein, doch selbst wenn sie noch so einfach wirken, muss man zu jeder Sekunde mit dem Kopf dabei sein. Es sind überall Details und Verzierungen, die sauber sitzen müssen. Eine solche Ideenvielfalt unterhaltsam umzusetzen, ohne die Zuhörer durch Selbstgefälligkeit anzuöden, zeichnet meiner Meinung nach die Qualität in der Musik aus.“
Echtes Schallgift ist auch Live ein Erlebnis
Das Resultat kann sich hören und sehen lassen: 26 Songs haben die vier Giftmischer inzwischen zusammengebraut. Als Songtexte verfasst Yvonne Emotionen wie Freude, Schmerz, Lust, Angst, Trauer und Glück. Ihre Mitstreiter finden sehr leicht Gestaltungsideen in der Rhythmik und der Stimmung der Lyrik, inspirieren sich gegenseitig und so entstehen die Songs aus sich selbst heraus, sobald der erste Impuls dazu gegeben ist.
Die Gefahr, dass diese Quelle einmal versiegen könnte, ist praktisch auszuschließen. Die blonde Sängerin sieht in der unfasslichen Komplexität jedes einzelnen Menschen ein privates Universum, dessen Grenzen man kaum erfassen kann. „Musik ist eine Kommunikation, die über diese Grenzen hinweg reicht. Darin sehe ich das Wesen der Kunst – und ich hoffe mal, dass ich wenigstens ein Stück weit auch Künstler bin.“ Nach kurzem Nachdenken fügt sie selbstbewusst schmunzelnd hinzu: „Ich fühle mich jedenfalls so! Ich könnte ein Leben lang Stücke schreiben aus diesem Menschsein heraus und würde mich nie wiederholen müssen. Das ist unglaublich spannend und erfüllend wenn es funktioniert.“ Wenn Linus Q den Fans ihr Schallgift verabreichen, dann soll es ein unvergessliches Live-Erlebnis sein. Man spürt ihre innere Überzeugung wenn sie ihre Songs auf der Bühne ausleben. Sie geben alles und das spürt das Publikum. Hart, dynamisch, ehrlich, extrem und emotional. Linus Q sind eine rundum kreative und umtriebige Truppe. Unter anderem spielen sie ihre Songs im Live-Programm des Gitarrenweltrekords bei Stuttgart. Dabei wollen 6347 Gitarristen einen Weltrekord aufstellen, indem sie gleichzeitig das berühmteste Rock-Gitarrenriff aller Zeiten spielen: „Smoke On The Water“. Die Toxikanten aus dem Rhein-Main-Gebiet werden selbstverständlich alle vier selber mit in die Saiten greifen, um den Rekord zu unterstützen. Auf der Band-Webseite linusQ.de gibt es neben Infos und Hörproben auch Live-Videos und die aktuellen Auftrittstermine. •em•
Foto: Tom Höpfner

