Pengland bald ohne Land

Kultur braucht Raum

Sie sehen entspannt aus, die „Pengler“ vor den eisernen Buchstaben, der mobilen CI (Corporate Identity) des Penglands, bei strahlend blauem Himmel am Mainzer Dom. Innerlich ist ihnen anders zumute. Das alte Lied: Raumprobleme.

Die Mitglieder des gemeinnützigen Vereins, der Design, Kunst und Kommunikation im Rhein-Main-Gebiet fördert, sind noch relativ entspannt, obwohl es bald genauso sein kann, wie es hier aussieht. Die Treffen des Peng demnächst auf einem öffentlichen Platz, weil der Platz, den sie hatten, ihnen genommen wurde? Der Traum des in Aussicht gestellten VW-Hauses ist nach dreimonatigen Verhandlungen mit dem Besitzer, dem Ordnungs- und dem Bauamt ausgeträumt. Das VW-Haus ist verkauft. „Ich hätte kotzen können“, sagt Ago Rurek, stellvertretender Vorsitzender des Peng.
Die Pengler sind zuversichtlich, sie kennen das – einziehen, eine Weile bleiben, ausziehen. Ein Nomadendasein unter dem Damoklesschwert der potentiellen Vertreibung aus dem geliehenen Land - kein leichtes Unterfangen für Menschen die Kultur leben und in diesem Sinne ehrenamtlich arbeiten. Jedenfalls, es macht kreativ. Die „Operation Pusteblume“ ist angelaufen. Die netzwerkartige Suche nach leer stehenden Räumen in Mainz hat begonnen und damit auch die Idee, das Bewusstsein zu schaffen, dass “Kultur Raum braucht.“
Nicht nur das Peng kann ein Lied davon singen. Tatsache ist, dass Kultur- und Kunstschaffende in der Landeshauptstadt mehr und mehr kämpfen müssen, um zu existieren oder um Räume zu finden, in denen Kommunikation, Kunst und Kultur lebbar und erlebbar sind. Möglichst ohne den Zusatz: Schleudersitz!
Ausreichend Gelder für die Kulturbelange gibt es schon lange nicht mehr. Es muss gespart werden. Wo nichts ist, ist nichts zu holen. Diese Einsicht ist längst verinnerlicht, wo es um das nicht förderungswürdige Mainzer Kulturleben geht. Die Folge davon - die Szene verhungert, ihre kreativen Blüten verdorren und außer einem Bedauern der Verantwortlichen haben sie nichts zu erwarten.
„Alles was wir brauchen ist ein Raum. Wir würden ihn auch bezahlen. Wir haben uns immer selbst geholfen“, so Rurek, „Fördergelder von der Stadt brauchen und wollen wir nicht, weil wir unabhängig sind, dank der Mitgliedsbeiträge von hundertdreißig zahlenden Mitgliedern, mittlerweile in allen Altersstufen.“
Das Bild vom Peng in der Außenwahrnehmung so mancher Mainzer, das seien doch alles Studenten, verrückte Künstler und Bohemiens, lässt sich längst nicht mehr aufrecht halten. Die Ausstellungen, die das Peng zu verzeichnen hat, sind spannender und zeitgeistträchtiger als so manche Galeriepräsentation im Sinne des Mainstreams. Peng setzt Impulse, die Vielfalt und Intensität der kulturellen Veranstaltungen ist beispiellos und die Vernetzung mit über Tausend Followern und Freunden in Twitter und Facebook spricht für sich. Hier wird Kultur entwickelt, gefördert und authentisch gelebt. „Da sind Hunderte von Menschen, die das kulturelle Kapital aufbauen wollen, wonach die Stadt schreit“, sagt Rurek. „Wir setzen Impulse, geben Beispiele, damit sich was verändert, damit Menschen zusammenrücken, für einander da sind, in welchem Bereich auch immer.“
Das Peng macht Raum für Kultur auf und ist raumlos. Absurd? Es gibt eine Menge Räume in unserer Stadt, die leer stehen und nutzlos verwittern, der Brückenturm zum Beispiel, oder das alte Gefängnis. Rurek weiß von fast fünfzig Räumen, die leer stehen: Die Stadt sagt, sie seien zu neunundneunzig Prozent vermietet.
„Die Politiker schmücken sich mit unseren Ideen. Das Projekt Internetbrunnen zum Beispiel wird im Rahmen der Stadt der Wissenschaft 2011 von der Stadt Mainz unterstützt. Dabei geht es darum, spendenfinanziertes WLAN an öffentliche Plätze zu bringen und bis Ende 2011 die ganze Mainzer Alt- und Neustadt zu vernetzen. Apropos Politker: Der Kulturstaatssekretär will sich für uns einsetzen“, sagt Rurek, „passiert ist bisher nichts“.
Fakt ist, dass das Pengland am 1. Oktober ohne Land ist. Fakt ist auch, dass eine konstruktiv und innovativ wirkende Kultureinrichtung ohne Raum ein Armutszeugnis für unsere Landeshauptstadt ist.
Wenn in Zeiten der Krise ambitionierte Kulturschaffende dazu angehalten sind, kreative Lösungen statt Geld zu suchen, so ist es doch zumindest wünschenswert, dass ihnen das Finden nicht allzu schwer gemacht wird. Wo ein Wille ist, sollte der Weg geebnet werden.
•awe•


Foto: Pengland


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