Ein Nischentheater setzt sich in Mainz durch

„No Business like Show-Business“

Mit 31 Jahren Intendant, Dramaturg, Regisseur, Schauspieler und Sänger am eigenen Theater. Sebastian Wagner ist ein Mann voller Ideen und Umsetzungs vermögen.

Wenn man sich mit Sebastian Wagner unterhält, sprudeln die Antworten so schnell aus ihm heraus, dass man den Eindruck erhalten kann, er sei in Eile und müsse schnell weg. Hat er vielleicht schon wieder eine neue Idee, die es zu realisieren gilt? Schon möglich. Seine Spitzfindigkeit und die Konsequenz in der Umsetzung ist belegt: 13 Eigenproduktionen hat der junge Intendant bereits inszeniert in den gut fünf Jahren seit Gründung der Mainzer Showbühne. Der Einfallsreichtum des umtriebigen Allrounders hat nie Pause. Die Eingebung zur Weihnachtsrevue „Christmas Inc. 2“ ist ihm im Sommerurlaub gekommen, wie er jüngst im Interview auf gutenberg. tv zu Protokoll gab. Es ist die inhaltlich komplett neu ausgerichtete Fortsetzung des gleichnamigen ersten Teils, der in drei Überarbeitungen erfolgreich seit dem ersten Jahr an der Showbühne lief.

Geboren für die Bühne

Ihm wurde das Show-Talent quasi in die Wiege gelegt. Wagner ist mit Musik groß geworden. Zunächst durch den mütterlichen Unterricht, später mit Lehrer auch an Klavier und Geige. Erfolgreich hat er auch als Akkordeon-Virtuose an „Landesjugend Musiziert“ teilgenommen. In die Aufgaben als Autor, Dramaturg und Regisseur ist er hineingewachsen. Lange vor seinem Studium der Musikwissenschaft  und Musikpädagogik in Gesang, Klavier und Geige, hatte er an der Schule ein Musical inszeniert und stand als Schauspieler auf verschiedenen Volksbühnen. So kam er 2005 zu einer Schauspielgruppe, die in dem Raum der Mainzer Showbühne probte und von der er das Theater übernommen hat.

Das Geheimnis des Erfolges

Die meisten Schauspielhäuser können sich in der Regel nur durch Subventionen über Wasser halten. Wie schafft es da so ein junger Neueinsteiger auch ohne diese Mittel Fuß zu fassen?

„Das ist dem ehrenamtlichen Engagement einer ganzen Familie zu verdanken. Meine Frau ist organisatorisch voll eingebunden, mein Schwiegervater kümmert sich um den Ticketverkauf und die Betreuung der Webseite, meine Schwiegermutter hilft im Gastrobereich.“ Dass sich dieses Engagement tatsächlich durchsetzte, hat viele überrascht: „Wenn man das dichte Kulturangebot von Frankfurt kennt, dann wirkt Mainz sehr offen. Wir waren dann überrascht über die festgefahrenen Strukturen die hier vorherrschen und in denen kein Platz ist für ein Nischenprogramm. So wurden wir am Anfang ignoriert und dann belächelt. Mittlerweile sind aber alle sehr still geworden.“

Ansichtssache

Der kommerzielle Erfolg ist auch eine Frage des guten Unterhaltungskonzepts. Gibt es dabei überhaupt einen künstlerischen Anspruch? „Na klar. Das ist ja überhaupt der Grund das alles zu machen.“ Teil der Inhaltsstruktur ist Wagners Betrachtungswinkel: „Der Begriff ‚Kritik‘ ist mir schon zu sehr verbraucht. Ich will es eher ‚Perspektive‘ nennen, aus der ich bestimmte Beobachtungen weiterspinne.“ Bei aller Satire geht Wagner auch am Beispiel des neuen Weihnachtsstücks mit Feingefühl zu Werke:

„Ich mache mich nicht lustig über den christlichen oder jüdischen Hintergrund des Weihnachtsfests. Im Gegenteil – es geht um die Darstellung der Vermarktung, in der der religiöse Hintergrund von Weihnachten überhaupt keine Bedeutung mehr hat.“ Der Publikumszuspruch für die Showbühne steigt kontinuierlich. Wagner hat allen Grund, voll zufrieden zu sein und hegt darum gar keine großen Träume. Bei so vielen Ideen kommt er sicher schon bald mit der nächsten Inszenierung um die Ecke.

 

•as•

 

Infos

„Christmas Inc – Noch mehr Weihnachts-AG“ wird in den Adventswochen bis 23.12.2011 immer donnerstags, freitags und samstags ab 20 Uhr gespielt.

ShowBühne Mainz

Große Bleiche 17 (Bei Tanzschule Manfred S)
55116 Mainz
www.christmas-inc.de
www.showbuehne-mainz.de


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