STADTAUSGABE-Verkostung auf dem Weihnachtsmarkt
Fünf Lektionen auf der Glühwein-Himmelsleiter
Am Anfang stand die Herausforderung. Mit ein paar dürren Worten daher kommend: „Schmeckt doch sowieso einer wie der andere. Süß und heiß.“ Unumstößliche Wahrheit oder infernalischer Irrtum?
Die STADTAUSGABE hat sich der Herausforderung gestellt. Sich auf den Glühwein- Trail des Weihnachtsmarkts begeben. Um herauszufinden was sich hinter etwas heißgetrunkenem und stadtweit ebenso heiß diskutiertem verbirgt. Bis zur Bechers Neige. Hau weg!
Der Klassiker
Zu den Gründungsvätern des Weihnachtsmarktes vor 37 Jahren zählt die Mainzer Familie Barth-Sottile. Wer solange dazu gehört, wird wohl nichts falsch gemacht haben. Vorm „Extrablatt“ liegt der Stand „In Tre “, wo Margit Barth-Sottile als oberste Henne über diverse Glühwein-Zapfhähne waltet. Die spenden im Wechsel rheinhessischen Portugieser oder Dornfelder als Grundlagenwein. „Glückshormon“, druckst Margit Barth-Sottile geheimnistuerisch herum, wenn man sie über das „Besondere“ an ihrem heißen Mix (2 Euro) befragt. Schmecken tut’s jedenfalls.
Der Allrounder
Ursula Stock hat ihren Stand „Heiße Weine“ zwischen Drogerie Müller und Höfchenbrunnen. „Weinig“, dazu harmonisch gewürzt, schmeckt der Becher für zwei Euro mit fruchtigem, rheinhessischen Portugieser als Grundlage. Schöner Abgang. Eine runde Sache. „Weinschnuten“ unter Glühweinscouts sei er ans Herz gelegt.
Der Weihnachtliche
Alles eine Frage der Philosophie. Oder der Geschmackspapillen. „Edle Weine vom Weingut der Stadt Mainz“ heißt es gegenüber dem Domeingang. Hans Willi Fleischer, Mastermind des Stadt-Mainz-Weingutes gibt hier die „Becher“-Linie vor: „Es muss weihnachtlich schmecken“. „Es“ steht für ein Hechtsheimer Dornfelder- Portugieser-Cuvée. Mit einer gehörigen Gewürzzugabe (2 Euro). „Da schieb’ ich mir doch gleich einen Lebkuchen rein“, mag da der eine denken. Dem anderen schmeckt’s indessen. Auch weil „Lebi“, in fl üssiger Form aufgenommen, erstaunliche Weihnachtsmarkterkenntnisse bewirken vermag.
Der Preisbrecher
Sparfixe aufgepasst! Zwischen Sinn Le ers und Dombuchhandlung ist der Ausschank der Bischofsheimer Familie Husar. „Wir denken an die kleinen Geldbeutel“, rechtfertigt Sohn Werner den Becher-Kampfpreis von 1,50 Euro. Und hat unter diesem Gesichtspunkt Nase und Schnut’ absolut vorn. Gefällig und rund schmeckt die heiße Tasse. Einfach sü g. Wer mag bei diesem Preis-Alkoholverhältnis schon herumkritteln, dass die Komplettmischung aus „de Palz kimmt“.
Der Geheimtipp
Unter der Mainzer Spieluhr, auf der Apsis des Liebfrauenplatzes steht Josef Zimmer und versprüht den diskreten Charme des Selbstbewussten. Schließlich weiß man(n) was Man(n) im Becher hat. Und dann schwimmt oben auf dem Glühli (2 Euro) eine Zitronenspalte, die dem sowieso sauguten Getränk noch einen kecken Frischetupfer aufsetzt. Ehre, wem Ehre gebührt: Für das Portugieser-Dornfelder-Cuvée, zeichnen sechs Mainzer Winzer verantwortlich. Voran Winzersfrau Heike Stenner, die den Weihnachtsmarkt- Geheimtipp fein ausgetü elt hat. Am Verkostungsende steht reine Erkenntnis: Auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt ist genügend vorhanden. Jedenfalls, wenn’s um’s die Seele inspirierende Wärmeschöppchen geht.
•Jo Baldauf•

